Gedanken

Alles Liebe, dein Krebs

Der Titel meines Buches klingt wie ein Widerspruch in sich. Wie kann eine Krankheit etwas Positives wünschen? Wie kann eine Diagnose, die ein todbringendes Potential birgt und von einem Augenblick zum nächsten die Zukunft mit all ihren Träumen in Frage stellt, überhaupt etwas Liebes beinhalten? So sollte der gewählte Titel nicht nur Neugier der Leser wecken, sondern vor allem der Krankheit ihre Schärfe nehmen und den Blickwinkel auf etwas Hoffnungsvolles richten.

 

Krebs - Der Schreck

Als ich Anfang des Jahres 2014 die Diagnose Mammakarzinom erhielt, fühlte ich mich völlig allein. Es war, als fiele hinter mir eine Eisentür ins Schloss und mit dem metallenen kalten Knall verstummte alles Leben um mich herum. Ich weiß nicht, ob es sich grundsätzlich bei einer schlimmen Krankheit so oder ähnlich verhält, doch zum ersten Mal in meinem Leben rückten mit einem Schlag zwei Dinge in den Fokus meines Bewusstseins: 1. Du spielst immer die Hauptrolle in deinem Leben. 2. Deinen Weg gehst du allein, unabhängig davon, wie viele liebe Menschen dich begleiten.

 

Krebs - Der Zugang zur Seele

Die empfundene Isolation vollzog sich ausschließlich in meinem Inneren und verstörte mich fast mehr als die Krankheit selber. Allerdings war sie auch der entscheidende Auslöser für meine Suche nach Erklärungen. So kam diesem Gefühl eine außergewöhnlich große Bedeutung zu.
Dass unser Körper das Sprachrohr der Seele ist, die mit jeder Krankheit an unsere Tür klopft und um Heilung bittet, ist keine neue These und seit langem schon meine feste Überzeugung. Dennoch brauchte auch ich einige Wochen, um meine eigene Person für diese These zu öffnen und den nicht unerheblichen Schritt von der Theorie in die Praxis zu wagen. Denn nicht ohne Grund war ja mein Problem in der Versenkung verschwunden, irgendetwas in meinem Inneren aus der Balance geraten.

 

Krebs –Die Angst

Da unsere Kultur inzwischen voller Angst ist – so jedenfalls ist mein Empfinden – ist es nur verständlich, dass auch Krankheiten ausschließlich einen bedrohlichen Charakter für uns haben. Das ist sehr schade, weil Angst unseren Blick verstellt.

 

Ein Gedicht: Das Leid

Und dennoch werden wir des Leids nicht müde.
Man könnte meinen, dass es uns betört.
Sind unsre Friedensworte reine Plattitüde
für eine Welt, die vornehm sich empört?

Denn jedes Leid und jedes Machtgebaren,
das uns willkommen heißt im eignen Haus,
wird neue Blutgesellen um sich scharen
und sucht in Büchern, Filmen den Applaus.

Und dennoch werden wir des Leids nicht müde,
wir ziehn es gern in unser Sein hinein.
Und wer sich sträubt, ist uncool oder prüde.
Ich frag mich nur: Wo bleibt dies dunkle Brüderlein?

 

Alles Liebe, dein Krebs – Ein Frauenbuch?

Ja, das Thema Brustkrebs ist in erster Linie ein Frauenthema, und daher mag mein Buch betroffene oder interessierte Frauen auch besonders ansprechen. Doch die Grundthese, dass Krankheiten einen tieferen Sinn verfolgen, und mein Weg der Spurensuche als eine Option für eine zuversichtliche mutige Auseinandersetzung mit sich selbst können auch auf andere Krankheiten übertragen werden.

 

Krebs – Der Dank

Heute kann ich sagen, dass mein Krebs der Auslöser oder die Motivation war für ein Hineinschauen in meine Seele, das mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht notwendig erschienen war. Verdrängung ist vielleicht das passende Wort dafür. So bin ich überzeugt davon, dass jeder Mensch einen Winkel in seinem Bewusstsein kennt, der im Dunkel liegt und den wir nicht beleuchten möchten, weil es zu sehr schmerzt. Wenn ich nun zurückschaue, so muss ich zugeben, dass mich die psychische Aufarbeitung meiner Krankheit mehr Kraft gekostet hat als die physische Behandlung. Doch die gewonnenen Erkenntnisse und gemachten Erfahrungen werden mich für den Rest meines Lebens bereichern.

 


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